12 September, 2012

heimat / lied


die melodien von Kofelgschroa machen schleifen wie die radlwege im oberland. die luft schmeckt nach bucheckern und sprudelwasser und bald ist kirchweih.

10 September, 2012

ELVIS has left the library.


elvis a. presley sucht mit einem kleinen karteikärtchen in der hand nach seinen büchern. sein gang federnd, die schritte hallen in der bibliothek in diesem städtchen irgendwo in den südstaaten. am ausgang grüßt er das schwarze mädchen, das das kirschbaumholz des aufgangs wienert. sie trocknet sich die hände an ihrer schürze und blickt ihm nach. da ist er schon entschwunden. die ernte wird gerade eingeholt.

Elvis Presley - crawfish (pilooski edit) by JOE SPECIAL

03 September, 2012

lilacs & champagne / indiana jones; sag du gestern.


-- verdurstend liegt ein gregorianischer mönch im wüstensand. da zieht eine karawane vorbei. camel ohne filter. nein, die krabbe mit den goldenen scheren. die fähre nach istanbul. ich fahre straßenbahn, mit ohren wie watte. glasierter apfel - adam und eva. rote fingerspitzen. mein mädchen. der rio de la plata. ich will gerade dem fremdenführer, mit der narbe über der linken wange zurufen, dass der hang doch auf dieser seite nicht sicher sei. da ertönt plötzlich roy black in fremden zungen aus der jukebox, die das dschungel-dickicht für sekunden grausam illuminiert. die station sei nicht mehr weit, wird mir versichert. 
bis tagesanbruch sei sie zu erreichen. so wandern wir weiter--

kopfhörer / abenteuer / Lilacs & Champagne. 

Lilacs & Champagne - Everywhere, Everyone by Mexican Summer

27 August, 2012

hank williams und die disco-kugel.


manchmal weiß man gleich, dass das funktioniert. zum beispiel: toast mit bananen, weißer schokolade und zimt; keine frage. 
manchmal aber, da finden sachen zusammen, bei denen man erstmal stutzig wird: 
pavarotti an der tischtennis-platte. das hübsche mädchen mit dem dutt im flugzeug neben einem, das erzählt "waterworld" viermal im kino gesehen zu haben. oder wenn gin auf earl grey-tee trifft.
nur um dann festzustellen, dass das alles richtig ist. dass das alles so gehört.
so ähnlich verhält es sich auch, wenn das debüt-album "All Hell" von Daughn Gibson zum ersten mal aus den lautsprechern tönt: als ob sich ein country-barde aus dem nashville der 40er jahre auf irgendein angesagtes festival ins heutige barcelona verirrt und alte kassetten von den walker brothers mitgebracht hätte.  
/ verwirrung /
aber spätestens, wenn die loops bei "tiffany lou" den raum durchwabern, begreift man: ba-ba--BAM!

 

teletext / bunt.


ich sitze in der küche, trinke coca-cola mit knick-strohhalm und drücke virtuos die knöpfe auf der fernbedienung meines fernsehers. grund ist das International Teletext Art Festival
bis zum 16. september gibt es auf der ard-teletext 770 die arbeiten von künstlern zu sehen, die mit sechs farben dem format huldigen, dem ich früher die halbzeitergebnisse der bundesliga verdankt habe.
wer gerade keine fernbedienung zur hand hat, der kann auch HIER dem bunten treiben folgen. das ist nicht das gleiche, aber wem erzähl ich das.






23 August, 2012

der monarch / dreimal kirsche.


durch die rauchglas-tür der spelunke blinken sie leuchtend hervor: zitrone, kirsche oder die goldene 7. 
für einen moment wird dann vom bierseidel und den reval-zigaretten abgelassen: 
münzen einwerfen / von las vegas träumen / knöpfe drücken. und natürlich verlieren sie alle.

die großartige dokumentation "Monarch" begleitet in den 70er jahren dieter w. durch die verrauchten lokale der alten brd. von automat zu automat. und der monarch verliert nie.
fiktion und wahrheit bleiben in ständiger bewegung, genauso wie die walzen der automaten mit den bunten früchten darauf.
der monarch: wunderkind, glücksritter, getriebener.    

"in deutschland, wo viele menschen leben, arbeiten und es schwer haben, mit ihren gefühlen zurechtzukommen, sucht ein mann nach zärtlichkeit und liebe..."


21 August, 2012

liebesgrüße aus belarus.


weißrussland; geldscheine mit tieren darauf gibt es da, die todesstrafe und gigantomanische eishockey-arenen in winzig kleinen dörfern. und es gibt The Stampletons
The Stampletons gründeten sich 2009 in minsk, klingen aber tun sie nach dem winter '65 in london: {rollkragenpullover, liebeskummer, haschzigaretten und grauer schnee auf der carnaby street}. 
das beste aber, man denkt nicht an retro-lavalampen-reagenzgläser die ray davies im sinkflug über weißrussland abgeworfen hat. nein man denkt nicht. man schwoft.

wladimir shigatschew hat mit alex (voc/rhythm guitar), mite (solo guitar) und andy (drums) gesprochen: 

/ Sprache /
Alex: wir haben keine lust auf weißrussisch zu singen. unsere orientierungspunkte liegen allesamt im vereinigten königreich oder in den USA.
Mite: aber natürlich ist das auch eine stilistische frage. auf weißrussisch singen für gewöhnlich die bands, die weißrussische musik machen. wir machen keine weißrussische musik, und der fakt, dass wir aus weißrussland sind, bedeutet gar nichts.
Andy: ich verstehe uns als weltbürger. wir sind nicht die bürger irgendeines staates.

/ Inspiration & Kollektiv /
Alex: ich nehme unsere musik als training wahr. inspiration kommt nicht zu dem, der nichts probiert. um etwas aus der inspiration zu gestalten, musst du ein guter meister sein. 
Andy: bei unserem casting für die neue platte erschien ein hübsches mädchen aus der musikakademie, das famos klavier spielen konnte. sie hat mit uns genau 15 minuten gespielt. dann hat sie gesagt, dass sie befürchtet, unsere kollektive idylle zu stören und ist gegangen.
Mite: ja, und davor hat sie noch gesagt, dass es für uns besser wäre, jemanden zu finden, der gar nicht spielen kann und wir ihm dann nur die nötigen drei noten beibringen sollen. strange girl.

/ Mods & Punks /
Alex: ich weiß nicht, ob wir mods sind. sind wir mods?

Andy: wir wollen in unserer musik offen bleiben. deshalb ist es auch immer sehr spannend mit ganz unterschiedlichen bands zu spielen. 
Mite (lacht): einmal haben wir mit punks aus kaliningrad gespielt. das war schön! das waren echte punks, und damals befürchtete Andy, dass sie ihn erstechen, anzünden und dann die leiche in den abflussgraben schmeißen.


--> das kleine frankfurter label Time For Action Records hat gerade eine feine doppel-LP mit vergriffenem material von The Stampletons veröffentlicht.

20 August, 2012

ping / pong

das spiel der strizzis und der mädchen mit keckem lächeln. das schach der starlets und revolutionäre. und elton john treibt die ganze volksrepublik mit seiner rückhand zur verzweiflung. 

Michael Jackson
Charlie Chaplin & Bebe Daniels
David Bowie

Paul Newman & Robert Redford
Thelonious Monk
Elton John
Yasser Arafat
James Dean
George Bush sen.
Bob Marley
Audrey Hepburn
Fidel Castro
Günter Netzer


16 August, 2012

jump&run / ambient.


das erste videospiel, das ich gespielt habe, war "olympic summer games II" auf dem commodore 64 vom fischer richard. der fischer richard war ein freund von meinem bruder. mit richard war nicht viel los, aber er besaß dieses graue ding mit joystick; und seine mutter brachte chipsletten. 
neunzehn jahre später: in "FEZ" begegnet der kleine 2-D/gomez mit einem fez auf dem kopf einem hexaeder. das verwirrt ihn; und er hüpft und rennt weiter. 
wunderschön anzusehen ist das. aber es ist der soundtrack von disasterPEACE, der alle level von steve reich über Methylendioxy-N-methylamphetamin bis kraftwerk und tim hecker auswendig weiß.

13 August, 2012

interview mit einer hure.


ihr name ist babette*. und ihre haare feuerrot. und der autor kann nicht ganz verheimlichen, dass er etwas verlegen ist. 
durch das fenster, werden wir von aufgeregten raben beobachtet, die gegenüber auf den betondächern des industriegebiets platz genommen haben. 
das zimmer selbst erinnert ziemlich nüchtern an eins dieser modell-schlafzimmer aus einem der großen möbelhäuser; die rote seidenbettwäsche, die drei goldenen maneki-nekos auf dem fensterbrett und die ockerfarbenen wände verwirren meine sinne, genauso wie der klebrig süße duft (raumerfrischer, marke: "tropica") und die omnipräsente oberweite von babette.     
babette nimmt auf dem bett platz, sie trägt jeans und ein baumwoll-oberteil und raucht jetzt tatsächlich eine dieser langen zigaretten, die nach ihrem berufsstand benannt sind.


"was willst wissen?"
ihr münchnerisch eingefärbter zungenschlag gibt mir etwas sicherheit; mir, der ich mich in einen allzu weichen sessel à la Louis-seize fallen lasse.
"nun, zunächst würde mich interessieren, welche dienstleistungen du denn für gewöhnlich anbietest?"
sie schmunzelt; 
"für gewöhnlich: normalen geschlechtsverkehr, französisch, tittenfick, schmusen, erotische massagen, striptease, fußerotik, natursekt, körperbesamung (aber nicht aufs gesicht) und rollenspiele. haus- und hotelbesuche. escortservice. wenn er mir gefällt, dann ist auch mehr drin."
sie zieht an ihrer zigarette, und wieder dieses schmunzeln. ich schätze sie auf ende 20, vielleicht auch mitte 30 schon.
"wie hieß deine erste jugendliebe?"
kein schmunzeln mehr, bestimmt drückt sie die zigarette in einem schwarzen porzellan-teich aus, an dessen rand ein porzellan-frosch mit krone sitzt. witziger aschenbecher, denk ich mir; verwunschener prinz und so. 
"bernhard." 
sie macht eine lange pause; ich versuche gleichzeitig lieb und investigativ zu schauen. 
"ich weiß zwar nicht warum du das wissen willst. aber er hieß bernhard. und er sah aus wie der sänger von Talk Talk und stand oft fürchterlich verloren vor dem fahrradhäuschen unserer schule. das gefiel mir damals sehr."
post-rock klangteppiche, denk ich mir, während mein blick über den abgetretenen blau-karierten läufer wandert. und doch schon 35 denk ich mir.
"bist du auf dem land groß geworden oder in der stadt?"
"das war so beides, irgendwie. münchen war nicht weit. da hab ich dann später auch den udo kennengelernt."
sie schenkt sich ein glas perlwein ein, meine spesen. gehört sich, hatte ich mir so gedacht. schmeckt wie, das "tropica" riecht, denk ich mir jetzt.
"wer ist der udo?"
"mit dem udo, da hat es angefangen. nein, ich wurd zu nichts gezwungen. mir hat das ja gefallen, das viele geld plötzlich und der grüne porsche von udo. und ich mag es, wenn männer nervös werden, wenn sie mich zum ersten mal sehen. und ich mag es, wenn die männer ganz verschieden riechen. klar, manche riechen jetzt nicht so tolle. aber manche riechen grob nach pfeifentabak, manche kindisch nach nivea-creme und ein paar so wie du, die riechen nach frischem teer."
verlegen nestel ich an meiner hellblauen zigarettenschachtel und jetzt lacht sie und ich rauche.
"weißt du die penetration ist das eine. man gewöhnt sich an einen fremden kerl über einem, genauso wie an eine neue haarfarbe im spiegel. das andere, viel schwieriger ist das, das sind die augen; manche schauen so traurig, dass mir selber ganz komisch wird. und andere haben einen so starken, mutigen blick, dann muss ich an früher denken."
"an udo und seinen grünen porsche?"
sie bläst die roten locken aus ihrem gesicht.
"ja, an die zeit mit udo vielleicht. aber egal; weißt du, das wort zeitschaft sollt es geben; ein ort, was er gerad in der zeit ist, zu einer bestimmten zeit, nicht vorher und nicht nachher."
babette streckt sich, sicher in ihren bewegungen jetzt; die billige staffage aus orientalischen kissenbezügen: stumme zuschauer dieses dolce vitas der kleinen sinnlichkeit.
"die schwarzen lederbezüge, wie sie im sommer wie pech an der haut klebten - der duft von udos acqua di sale in der luft - und die tanzende zigarettenasche im aschenbecher. das mein ich."
"ich verstehe."
"weißt du, das glaub ich dir sogar."
blicke. wie man sie manchmal in der tram-bahn von frühreifen schulmädchen erhascht.


"ich muss jetzt los. genügt dir das. bin sowieso schon zu spät dran." 
ich nehme ihr angebot dankend an, mich zurück in die stadt zu fahren. im flur begegnen uns anzugträger, die mit verstohlenem blick, vor kunststoff-türen auf einlass warten. alle halbe schritt ein neues illuminiertes klingelschild; im engen treppenhaus muss ich an das gedicht von wolfenstein aus der oberstufe denken.
babettes renault twingo wartet auf dem schotterparkplatz. als sie den motor startet, kann ich an ihrem schweren schlüsselbund das eingefasste photo eines buben im vorschulalter ausmachen. ich schau aus dem fenster; carole king singt im radio und der sommer strengt sich heute nochmal mächtig an.
neben dem 'istanbul', einem kleinen türkischen imbiss, steig ich aus.
"mach's gut. hat mich gefreut. irgendwie."
"ganz meinerseits."
"wie du redest", sie lacht und sieht dabei ungemein schön aus. 
mit einer dose uludag in der hand sitze ich später noch auf den stufen vor dem 'istanbul'; an udo denk ich dann, den viperngrünen porsche und die feuerroten locken von babette.

Photos: Beowulf Agricola Tomek / Illustration: Andreas Zimmer / Interview: Martin Frank / Sommer 2012

Talk Talk - The Rainbow by valcs

02 Juli, 2012

und trotzdem. balotelli.

“Wenn ich treffe, juble ich nicht, denn das ist meine Arbeit”, sagt er. “Wenn ein Briefträger die Post zustellt, soll er dann das Jubeln anfangen?”
Wer Albert Camus begreift, ohne ihn erst lesen zu müssen - der muss ein feiner Kerl sein: 
Krieger, Kasperl, Balotelli.

© Andreas Zimmer

03 Mai, 2012

blut am türgriff

seit simone felice nicht mehr mit seinen brüdern in die saiten greift, verlieren sich die felice brothers in hippen drum-computer-spielereien. zu viel großstadt, zu viel speed, zu viel alles.
anders da, simone felice's erste solo-platte. auf der tut nur ganz wenig. und das ist gut. 
die geschichte von charles manson und polanskis großer wunderschönen liebe, helter skelter und dem großen unvorstellbaren grauen haben schon viele versucht zu erzählen; aber das mit den augen, das mach erst mal.
"when they cut that powerline..." und ich fürcht mich.

02 Mai, 2012

wertach.



In Neuseeland tummeln sich nicht nur Hobbits unter Wasserfällen und lässige Rucksacktouristen, die einem mit Geschwätz von Bali, perfekten Wellen und ihrer Bronze-Bräune fürchterlich auf die Nerven fallen; - nein, es gibt mit Fabulous/Arabia dort auch eine sonnige, funkyJazzPop Kollaboration, deren Sound sich nach warmen Kieseln anfühlt und so schmeckt wie Charles Schumanns Lillet Lacanau (2 cl Lillet Blanc; 2 cl Lillet Rouge; 1 cl Campari; 4 cl Orangensaft; Sodawasser und viel Eis). 
Möge die Sonne auch für Dich scheinen, Gringo!
    

17 April, 2012

nachmittag / jazz


BADBADNOTGOOD lassen den blassen James Blake so klingen, als trage er vollen Rauschebart und rauche Pfeife. "Flashing Lights" von Kanye West klingt dann plötzlich auch nicht mehr nach lauten fünfzehnjährigen Mädchen mit hochhackigen Schuhen, sondern nach der exquisiten Plattensammlung deines älteren Cousins, der mit 18 in die Stadt gezogen ist; aber da kommst du erst Jahre später drauf.  
Eine jugendliche Hymne auf die massiven Goldringe an den Fingern von Thelonious Monk. 


Und hier kann sich jeder das Album in den eigenen Plattenschrank stellen: ->lauschen

15 April, 2012

chaussee / geheimnisse



"untitled", 2012
das mädchen_alina yakaboylu
die kamera_beowulf tomek
der fahrer_simon ertl


11 April, 2012

steinsee

als winzig kleiner mensch kann man bereits schwimmen, durch irgendeinen sonderbaren zufall aber verlernt man es dann doch wieder.
bevor man es dann wieder erlernt, heisst es zuerst untergehen; obermaschinist johann, weiß das. 
ältere brüder wissen das auch und lehren einen das sehr früh und sehr geschickt.
der moment, in dem man sich verloren meint, ohne atem, wie erfahrene astronauten ohne raumanzug bleibt dabei immer wichtiger; als wie johnny weissmüller bis zur zweiten boje rauskraulen zu können
etwas später. das blonde mädchen, das ich zu lieben sicher war, liegt neben mir am see. dort, wo man eintritt lösen muss. auf der anderen seite, waren die nackten, dazu hunde mit nassem fell und städter, gut versorgt mit karotten, gurken und radieschen, die sie in sicherheit versprechenden plastikboxen zu verstauen pflegten.
aber zurück, hier: hier, konnte man am kiosk zuckerschlangen und pommesfrites erstehen; wunderbare schlieren später, wenn man die hände in das wasser grub. und hier waren natürlich auch die hübschen mädchen. ich nenn die meine sarah, weil sie auch so hieß.
sarah dreht sich einen kleinen joint mit papers auf denen noch kleinere kirschen abgebildet waren; spielautomaten-kirschen, witzig. "schmeckt wie kirsche"; ihre lippen tun das auch.
notiz: mädchen und rauschmittel gehen nicht gut miteinander; das ist wie fledermäuse in ein leerstehendes hallenbad zu entlassen, in dem alter dub-step, der gute noch, versucht die kacheln abzulösen; das macht sie blöde im kopf.
gerade zu dieser zeit, war mein großer zeh tintenblau. wie es dazu kam, fragst du, ich weiß es nicht mehr. nur soviel: die bande zwischen nagel und dem an sich schön gewachsenen zeh, da gibt es ganz andere, waren nur noch von kurzer dauer. ich versuchte da irgendeine charles bronson nummer daraus zu machen. quasi verwundeter tatare. und hoffte, dass das zog.
irgendwann wollen dann sarah und ihre freundin zum wasser. ich blieb liegen, auf meinem minidisc-player lief "lazy old sun" von den kinks, das weiß ich noch mit sicherheit.
sie hatte einen aufgeblasenen lkw-schlauch oder sowas mit. in dem turnt sie im wasser. und ihr gesäß reckt sich gen himmel; sonnenbeschienener planet, der leben verheisst. astronauten wieder. ihre füße wirbeln in der luft, wie das hübsche aber einsame synchronschwimmerinnen wohl tun, als plötzlich ein untersetzter herr mit schnauzbart sie an der hüfte packt und aus dem wasser stemmt. was geht denn da, denk ich mir. dann erst seh ich ihre augen. 
das geschah wohl: eingekeilt zwischen dem in der hitze milde gewordenen schlauch, konnte sie nicht mehr aus. sarah blickte das grüne wasser und fiberglas stieg in ihr hirn.
so sachen passieren ganz einfach, der lokalteil berichtet manchmal davon: brautjungfern fangen hochzeitsstrauß und knallen mit dem hinterkopf gegen die kirchenbank; buben spielen auf dem sperrmüll verstecken, einer sucht sich den alten bosch-kühlschrank aus, das schloss schnappt und keiner findet ihn nimmermehr.
sarah fuhr ich dann gleich heim. der blaue zehennagel löste sich beim kupplung geben, die blonden nassen locken klebten an ihren wangen und die rolle von charles bronson fiel wohl jemand anderem an diesem tag zu.  

31 März, 2012

nächtens

man wollte ja eigentlich gar nicht hier sein jetzt. mönch hatte man sein wollen. früh aufstehen, weniger rauchen, öfter mal artischocken und nur rotes fleisch. aber ich steh wohl wieder hier, auf lässigkeit bedacht und schaue den anderen beim tanzen zu; einige haben schon spaß. andere hoffen noch. 
mädchen: hübsch sind manche, bedeutungsschwanger die meisten. aber die fehlgeburten klatschen auf den linoleum boden, bei den ersten sätzen, die dir, bruchstücke nur, in die ohrmuschel gehämmert werden, dass es dich zusammenfahren lässt. 
getränk in der hand, wichtig; boje. keiner trinkt heutzutage mehr cola-rum.
unverbindlich blicke fangen wie fliegenfallen fliegen fangen. übung. 
an die toilettenkacheln hat mit schablone jemand einen atemlosen jean-paul belmondo gesprüht. liegt es am cola-rum oder am dumpen licht, denn dieser belmondo sieht gerade aus wie eine verwegene version von uwe barschel. hatte jemand ernstlich badewannen in genf im sinn. sinnfragen: truffaut oder godard oder john candy?
an der bar meint jemand, dass ich dieses assoziative gerede endlich sein lassen soll, man verstehe ja kein wort von dem was ich sage, meine, wolle.
ich nicke euphorisch. 
ein mensch mit gold/silber beschuppter rettungsdecke, zeichnet sich auf der tanzfläche als graziöser stierkämpfer aus. das ist ein glücklicher, denk ich mir, ein guter. 
und so werden alle irgendwie recht behalten. denn die nacht gibt jedem recht, der ihr zuhört.  
zwischen daumen und zeigefinger drehe ich das puzzle-stück, das sich heute nacht als pfandmarke verdingt und das morgen im portemonnaie, wie phönix aus der asche, wieder auftauchen wird.
unlösbares puzzle.


30 März, 2012

Provinz II

Kindsgeschrei und Hundsgebell. blithe field macht Musik für Nachmittage, an denen melancholische Wespen im Rinnsal der Paulaner Spezi Flasche einen süßen Tod finden wollen und auf blau-weiß-rot karierter Tischdecke sich Gläser, Pappteller und der kleine Aschenbecher, der die Erinnerungen heute geschickt für sich behält, mit 12 Bilder/Sekunde füllen und wieder leeren. Aber das ist dann alles gar nicht so wichtig, denn die Sonne wird an diesem Tag zum ersten Mal im Jahr auch am Abend noch fett und gut sein. 
In diesem Sinne, Goodnight Ladies.  

Provinz

"sic parvis magna", hatte schon der Freibeuter und Weltenbummler Sir Francis Drake gewusst.
Das weiß auch Beowulf Tomek und hat sich deshalb mit Kamera nach Kissing aufgemacht. 
Zurück kam er dann mit Bildern auf denen gelbes Sommerlicht und stummer Schatten Schere-Stein-Papier spielen. Süße Trägheit obsiegt. Toll.